Flüchtlingsarbeit in Dutenhofen und Münchholzhausen

Wie viele Flüchtlinge sind bei uns?

Nach wie wohnen ca. 45 – 50 geflüchtete Menschen in den Unterkünften in Dutenhofen und Münchholzhausen. Die Fluktuation ist nicht groß. Wenige ziehen von den zentralen Unterkünften in Mietwohnungen, wenige neue Flüchtlinge kommen nach.

 

Woher kommen sie?

Sie kommen überwiegend aus den nahen Osten: Syrien, Afghanistan, Iran; vereinzelt auch aus anderen Ländern. 

 

Warum kommen sie?

Die Gründe sind vielfältig. Überwiegend kommen Syrer und Afghanen aus Kriegsgebieten. Sie sind auf der Flucht, weil im Kampf keine Rücksicht auf Zivilisten genommen wird. Die Kämpfer nutzen Zivilisten in Wohnsiedlungen, Schulen und Krankenhäuser als lebende Schilde, in der Folge werden Städte und Dörfer sowie die Infrastruktur zerstört. Die staatliche Organisation, die Wirtschaft, das Gesundheitssystem, die Energieversorgung etc. brechen zusammen. Die Menschen haben keine Bleibe mehr und können sich nicht mehr versorgen. Aus Angst um das nackte Leben kommen sie zu uns, z.T. zu Fuß. In Afghanistan nehmen die Auseinandersetzungen mit den Taliban zu, die Kämpfer des IS, eben aus Syrien und dem Irak vertrieben, sickern in Afghanistan ein und terrorisieren die Bevölkerung. Wer ins Visier dieser Leute kommt, findet sich mit seinem Tod ab oder läuft davon. So schnell und so weit wie er kann.

Ein kleinerer Teil kommt, da sie keine Lebensperspektive mehr in ihrem Land sehen.

 

Wie lange sind sie hier?

Die meisten Flüchtlinge in unseren Dörfern sind seit ca. 2 Jahre hier.

 

Wie sieht es mit der Integration aus?

Es werden Sprach- und Integrationskurse besucht. Dabei kommen einige recht gut zurecht, in erster Linie die schulpflichtigen Kinder. Nach zwei Jahren sprechen sie sehr gut Deutsch, mit hessischem Akzent. Je älter die Flüchtlinge sind, umso schwerer fällt einigen das Erlernen der Sprache, mit anderen kann man sich aber recht gut verständigen. Vereinzelt konnten bereits Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnisse begründet werden. Das Erlernen der deutschen Sprache ist der wichtigste Schritt zur Integration.

 

Warum dauert das so lange?

Deutsch als Fremdsprache ist nicht einfach zu erlernen. Insbesondere nicht von Menschen, die aus einem anderen Kulturkreis kommen, eine andere Schrift und eine von Deutsch doch sehr verschiedene Muttersprache haben. Unser Erlernen von Englisch, Französisch, Italienisch oder Spanisch war deutlich einfacher, da die Sprachen miteinander verwandt und die Kulturkreise ähnlich sind.

Manche Flüchtlinge sind Analphabeten, viele haben keine mit uns vergleichbaren Schulabschlüsse. Da fällt das Erlernen einer Sprache besonders schwer.

 

Warum sind die Menschen arm und haben doch ein Handy?

Wer aus einem Kriegsgebiet flüchtet, ist vorher nicht notwendigerweise arm gewesen. Wem das Haus zerbombt wurde, das eigene Leben aber gerettet hat, der hat meist noch sein Handy, weil er es am Körper getragen hat. Mithilfe des Handys und Google-Maps haben die Flüchtlinge den Weg auch durch unwegsames Gelände finden können. Das Handy ist die Möglichkeit, mit den zurückgebliebenen oder getrennten Familienmitgliedern in Verbindung bleiben zu können.

 

Welche Unterstützung der Flüchtlinge ist weiterhin wichtig und nötig?

An erster Stelle steht der Deutschunterricht bzw. die Begleitung des laufenden Unterrichts. Hausaufgabenbetreuung und Kommunikation.

Wichtig ist auch die Unterstützung im Umgang mit den Behörden. Wer da alleine steht, die Sprache nicht beherrscht und die Verfahrensabläufe nicht kennt, der ist arm dran. Weiterhin nötig ist die Unterstützung beim Arztbesuch oder im Krankenhaus.

 

Perspektive?

„Wir schaffen das!“ war schnell gesagt. Deutsche Behörden haben anfangs versucht, über ihren Schatten zu springen. Nach zwei Jahren ist der Alltag wieder eingekehrt.

Ehrenamtliche Helfer haben einen Großteil des Chaos und der Not mitgetragen und geholfen, wo immer sie konnten und tun das heute noch. Die Situation hat sich merklich beruhigt. Die Probleme sind aber noch lange nicht gelöst.

Die Kinder haben eine gute Perspektive zur Integration. Die Erwachsenen Flüchtlinge haben es da deutlich schwerer. Zumal viele nach dem Krieg gerne wieder in ihre Heimat zurück wollen.

 

Vielen Dank an alle ehrenamtlichen Helfer, die ihren Einsatz für mehr Menschlichkeit, die Menschenwürde, Toleranz und Nächstenliebe erbringen. Manchmal bis an die Grenze ihrer Kraft. Ohne sie wäre in den letzten zwei Jahren vieles noch viel schlechter gelaufen.

 

Schauen sie nicht weg, wenn sie einen der zu uns geflüchteten Mitmenschen sehen, schenken sie ihnen ein Lächeln, wünschen ihnen einen guten Tag. Sprechen sie sie an und erkundigen sich nach ihrem Leben und stellen sie ihnen die Fragen, die sie haben. Wenn sie ehrenamtliche Helferinnen oder Helfer kennen, sprechen sie auch diese an, lassen sich erklären, was sie tun und bieten ihnen ihre Hilfe an.

 

Wir alle bauen an unserer Gesellschaft mit; passiv hinnehmend, sich treiben lassend oder aktiv gestaltend. Mein Aufruf ist: lassen sie es uns tolerant, menschenwürdig, integrierend, mit globaler Perspektive aber hier vor Ort handelnd, mutig und konstruktiv tun. Unsere Kinder und Enkel werden uns eines Tages fragen: …“und was habt ihr damals getan?“

 

November 2017

Gemeindebüro

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